Monat: Juni 2023

Philosophie des Geistes  Projektleiter müssen Entscheidungen treffen. Hast du dir als Projektleiter schon einmal die Frage gestellt, inwieweit es gerechtfertigt ist, dass du verantwortlich gemacht werden kannst für deine getroffenen Entscheidungen? Fakt ist, dass es relativ irrelevant ist, ob die Entscheidung aus einem Gruppenkonsens resultiert oder eine Einzelentscheidung im Alleingang gewesen ist. Letztlich wird der Projektleiter zur Verantwortung gezogen und muss die daraus resultierenden Konsequenzen tragen.   Mit dem Willen sind der geistige Akt, der Impuls zur Festlegung und Verwirklichung bestimmter Ziele gibt, und das Umsetzen dieser persönlich oder gemeinschaftlich getroffenen Entscheidungen in ein bewusstes und absichtsvolles oder ein geplantes Handeln gemeint. Zur Überwindung von „Hindernissen“ auf dem Weg zur Zielerreichung wird Willenskraft (Volition) benötigt.   Der freie Wille spielt für den einzelnen Menschen und das Agieren in der Gesellschaft eine bedeutende, zentrale Rolle mit weitreichenden Auswirkungen. Mittels der Willenskraft kann das Individuum sein Handeln aktiv steuern, wir wissen aber auch, dass wir ständig zahlreichen internen unbewussten und externen Einflüssen unterliegen.   Inwieweit unser Wille, unser Denken und die drauffolgenden Handlungen frei sind, ist umstritten.  Der Wille und die darauffolgenden Handlungen haben immer Konsequenzen einerseits für das einzelne Individuum, anderseits aber auch für dessen Umgebung. Es ist wohl nicht abzustreiten und erkennbar, dass unsere Gesellschaft stark vom Grundgedanken geprägt wird, dass der Mensch einen freien Willen besitzt und somit die Meinungs- und Willensbildung sowie das politische Handeln auf dieser Annahme beruhen. Die ethischen Grundwerte sowie die Gewaltentrennung der Legislative, Exekutive und Judikative in unserer Demokratie gehen von einem freien Willen des Menschen aus.   Im juristischen Sinne könnte man sich die Frage über Schuld und Unschuld wie folgt stellen: Inwiefern kann ein Individuum für seine Straftaten verantwortlich gemacht werden (abgesehen davon, wenn es im rechtswissenschaftlichen Sinne unzurechnungsfähig ist, also sein Denken und Handeln von einer psychischen Krankheit bestimmt wird)? Wenn beispielsweise ein ‘Täter’ keine Optionen für sein Handeln und für seinen freien Willen besitzen würde und die eigentliche Tat schon eine starke deterministische Komponente hat, die Tat also eher aus der Vorbestimmung und aus einem Korrelat von Genen und der Summe von allen vergangenen Erfahrungen abgeleitet werden kann, dann wäre dieser Täter im eigentlichen Sinne vor Recht und Gesetz ja in gewisser Weise unschuldig. Wir könnten uns an dieser Stelle die Frage stellen: Wenn wir keinen freien Willen besitzen, können wir daraus schlussfolgern, dass wir letztlich alle unzurechnungsfähig sind? Wem oder was wollen wir dann aber, im moralischen Sinne als ein Verstoß gegen das Gewissen verstanden, eine Schuld zuschreiben, Rechenschaft zollen? – dem Universum, Gott, einer höheren Macht? Was auch immer es ist, es ist eine direkte, an den Kern eines Problems gehende Frage, welche die Absichten und die Gesinnung aufdecken soll; es ist gemäß Johann Wolfgang von Goethe aus der Tragödie Faust I eine Gretchenfrage. Hat der Mensch einen freien Willen oder ist alles nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung determiniert? Spielen da in das Gesamtgefüge nicht noch die Begriffe Schicksal und oder Zufall hinein? Lässt sich eine Antwort auf unsere Willensfrage an dieser Stelle finden, dort, wo sich Gegensätze wie Determinismus und Indeterminismus im Kompatibilismus vereinen?   „Ich lache eures freien Willens und auch eures unfreien: Wahn ist mir das, was ihr Willen heißt, es giebt keinen Willen.“ (Quelle: Friedrich Nietzsche: Nachlass, Sommer 1883, 13 [1–36], Zarathustras heilige Gelächter)  Vertreter aus dem Lager der extremen Linken argumentieren im Sinne der Diskussion über das Thema des freien Willens, dass die Psychologie dem Bürger eine politische Entmündigung zuschreibt. Von der Psychoanalyse Sigmund Freuds bis zur Verhaltenspsychologie Burrhus Frederic Skinners wird der Psychologie unterstellt, dass diese sich an nicht mehr zeitgemäßen politischen Verhältnissen festhält. Alles wird auf das Unterbewusste des Menschen verlagert, politische Faktoren werden ignoriert und somit wird dem Individuum der freie Wille abgesprochen. Dies inkludiert auch die Fähigkeit, bewusst politisch handeln zu können.   Schließt das Adjektiv ‘frei’ in Artikel 1 der Menschenrechte der UNO “Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.” auch den freien Willen mit ein? Ist dies sinngemäß so zu verstehen oder ist doch hier eher die Freiheit von Leibeigenschaft oder Knechtschaft gemeint? An dieser Stelle: Willhelm Tell sei gedankt! Freiheit findet sich auch in der Präambel der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft.   “[…] Im Namen Gottes des Allmächtigen! Das Schweizervolk und die Kantone, in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung, im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken, im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben, im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen, gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht […]”   Weiter findet sich im selben Gesetzestext in Art. 34 Politische Rechte und weiteren Passagen: “[…] Die Garantie der politischen Rechte schützt die freie Willensbildung […]” Hier ist explizit das Wort Wille einbezogen.   Wenn von Willensbildung gesprochen wird, könnte hier verstanden sein, dass ein freier Wille die Grundvoraussetzung dazu darstellt? Ich streite nicht ab, einen Willen können wir bilden, aber ist der überhaupt auch frei, oder ist alles eine Illusion und es existiert überhaupt kein freier Wille?    In der Philosophie des Geistes, in der Position des Libertarismus, auch Libertarianismus genannt, wird der freie Wille bejaht. Die Annahme wird getroffen, dass wir Handlungsalternativen bei gegebenen Umständen haben und dass wir letztlich selbst verantwortlich für unsere Entscheidungen sind.   Gegen einen freien Willen spricht der sogenannte Determinismus mit einer Definition, dass alle auch zukünftigen Ereignisse durch ihre kausalen Vorbedingungen (Ursache und Wirkung) eindeutig festgelegt sind. Die Naturphilosophie postuliert Determinismus, gestützt durch zwei Annahmen: Sämtliche natürlichen Prozesse sind durch Naturgesetze bestimmt und die Bewegungsgleichungen, also bei mathematischer Gleichung, beim Einsetzen von exakten Werten, ergeben eine eindeutige Lösung, und somit wird das Ergebnis schon festgelegt.   Im Gegensatz zum Determinismus steht der Indeterminismus, der die Auffassung vertritt, dass nicht alle Ereignisse durch Vorbedingungen eindeutig festgelegt sind. Es gibt bestimmte Ereignisse, die nicht oder nicht eindeutig durch Ursachen bestimmt, sondern indeterminiert (unbestimmt) sind. Hier kommen die Begriffe Schicksal und Zufall ins Spiel…