{"id":1232,"date":"2023-06-09T17:23:15","date_gmt":"2023-06-09T15:23:15","guid":{"rendered":"https:\/\/ruchti-tec.ch\/?p=1232"},"modified":"2024-07-10T05:18:44","modified_gmt":"2024-07-10T03:18:44","slug":"der-freie-wille-eines-projektleiters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ruchti-tec.ch\/?p=1232","title":{"rendered":"Der freie Wille eines Projektleiters\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Philosophie des Geistes<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Projektleiter m\u00fcssen Entscheidungen treffen. Hast du dir als Projektleiter schon einmal die Frage gestellt, inwieweit es gerechtfertigt ist, dass du verantwortlich gemacht werden kannst f\u00fcr deine getroffenen Entscheidungen? Fakt ist, dass es relativ irrelevant ist, ob die Entscheidung aus einem Gruppenkonsens resultiert oder eine Einzelentscheidung im Alleingang gewesen ist. Letztlich wird der Projektleiter zur Verantwortung gezogen und muss die daraus resultierenden Konsequenzen tragen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mit dem Willen sind der geistige Akt, der Impuls zur Festlegung und Verwirklichung bestimmter Ziele gibt, und das Umsetzen dieser pers\u00f6nlich oder gemeinschaftlich getroffenen Entscheidungen in ein bewusstes und absichtsvolles oder ein geplantes Handeln gemeint. Zur \u00dcberwindung von \u201eHindernissen\u201c auf dem Weg zur Zielerreichung wird Willenskraft (Volition) ben\u00f6tigt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Der freie Wille spielt f\u00fcr den einzelnen Menschen und das Agieren in der Gesellschaft eine bedeutende, zentrale Rolle mit weitreichenden Auswirkungen. Mittels der Willenskraft kann das Individuum sein Handeln aktiv steuern, wir wissen aber auch, dass wir st\u00e4ndig zahlreichen internen unbewussten und externen Einfl\u00fcssen unterliegen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Inwieweit unser Wille, unser Denken und die drauffolgenden Handlungen frei sind, ist umstritten.<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Der Wille und die darauffolgenden Handlungen haben immer Konsequenzen einerseits f\u00fcr das einzelne Individuum, anderseits aber auch f\u00fcr dessen Umgebung. Es ist wohl nicht abzustreiten und erkennbar, dass unsere Gesellschaft stark vom Grundgedanken gepr\u00e4gt wird, dass der Mensch einen freien Willen besitzt und somit die Meinungs- und Willensbildung sowie das politische Handeln auf dieser Annahme beruhen. Die ethischen Grundwerte sowie die Gewaltentrennung der Legislative, Exekutive und Judikative in unserer Demokratie gehen von einem freien Willen des Menschen aus.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im juristischen Sinne k\u00f6nnte man sich die Frage \u00fcber Schuld und Unschuld wie folgt stellen: Inwiefern kann ein Individuum f\u00fcr seine Straftaten verantwortlich gemacht werden (abgesehen davon, wenn es im rechtswissenschaftlichen Sinne unzurechnungsf\u00e4hig ist, also sein Denken und Handeln von einer psychischen Krankheit bestimmt wird)? Wenn beispielsweise ein \u2018T\u00e4ter\u2019 keine Optionen f\u00fcr sein Handeln und f\u00fcr seinen freien Willen besitzen w\u00fcrde und die eigentliche Tat schon eine starke deterministische Komponente hat, die Tat also eher aus der Vorbestimmung und aus einem Korrelat von Genen und der Summe von allen vergangenen Erfahrungen abgeleitet werden kann, dann w\u00e4re dieser T\u00e4ter im eigentlichen Sinne vor Recht und Gesetz ja in gewisser Weise unschuldig. Wir k\u00f6nnten uns an dieser Stelle die Frage stellen: Wenn wir keinen freien Willen besitzen, k\u00f6nnen wir daraus schlussfolgern, dass wir letztlich alle unzurechnungsf\u00e4hig sind? Wem oder was wollen wir dann aber, im moralischen Sinne als ein Versto\u00df gegen das Gewissen verstanden, eine Schuld zuschreiben, Rechenschaft zollen? \u2013 dem Universum, Gott, einer h\u00f6heren Macht? Was auch immer es ist, es ist eine direkte, an den Kern eines Problems gehende Frage, welche die Absichten und die Gesinnung aufdecken soll; es ist gem\u00e4\u00df Johann Wolfgang von Goethe aus der Trag\u00f6die Faust I eine Gretchenfrage. Hat der Mensch einen freien Willen oder ist alles nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung determiniert? Spielen da in das Gesamtgef\u00fcge nicht noch die Begriffe Schicksal und oder Zufall hinein? L\u00e4sst sich eine Antwort auf unsere Willensfrage an dieser Stelle finden, dort, wo sich Gegens\u00e4tze wie Determinismus und Indeterminismus im Kompatibilismus vereinen?&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em><strong>\u201eIch lache eures freien Willens und auch eures unfreien: Wahn ist mir das, was ihr Willen hei\u00dft, es giebt keinen Willen.\u201c (Quelle: Friedrich Nietzsche: Nachlass, Sommer 1883, 13 [1\u201336], Zarathustras heilige Gel\u00e4chter)<\/strong><\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Vertreter aus dem Lager der extremen Linken argumentieren im Sinne der Diskussion \u00fcber das Thema des freien Willens, dass die Psychologie dem B\u00fcrger eine politische Entm\u00fcndigung zuschreibt. Von der Psychoanalyse Sigmund Freuds bis zur Verhaltenspsychologie Burrhus Frederic Skinners wird der Psychologie unterstellt, dass diese sich an nicht mehr zeitgem\u00e4\u00dfen politischen Verh\u00e4ltnissen festh\u00e4lt. Alles wird auf das Unterbewusste des Menschen verlagert, politische Faktoren werden ignoriert und somit wird dem Individuum der freie Wille abgesprochen. Dies inkludiert auch die F\u00e4higkeit, bewusst politisch handeln zu k\u00f6nnen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Schlie\u00dft das Adjektiv <strong>\u2018frei\u2019<\/strong> in Artikel 1 der Menschenrechte der UNO <em>\u201cAlle Menschen sind <\/em><strong><em>frei <\/em><\/strong><em>und gleich an W\u00fcrde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Br\u00fcderlichkeit begegnen.\u201d<\/em> auch den freien Willen mit ein? Ist dies sinngem\u00e4\u00df so zu verstehen oder ist doch hier eher die Freiheit von Leibeigenschaft oder Knechtschaft gemeint? An dieser Stelle: Willhelm Tell sei gedankt! Freiheit findet sich auch in der <strong>Pr\u00e4ambel <\/strong>der<strong> Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft.&nbsp;<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>\u201c[\u2026] Im Namen Gottes des Allm\u00e4chtigen! Das Schweizervolk und die Kantone, in der Verantwortung gegen\u00fcber der Sch\u00f6pfung, im Bestreben, den Bund zu erneuern, um <\/em><strong><em>Freiheit <\/em><\/strong><em>und Demokratie, Unabh\u00e4ngigkeit und Frieden in Solidarit\u00e4t und Offenheit gegen\u00fcber der Welt zu st\u00e4rken, im <\/em><strong><em>Willen<\/em><\/strong><em>, in gegenseitiger R\u00fccksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben, im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegen\u00fcber den k\u00fcnftigen Generationen, gewiss, dass frei nur ist, wer seine <\/em><strong><em>Freiheit <\/em><\/strong><em>gebraucht [\u2026]\u201d<\/em>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Weiter findet sich im selben Gesetzestext in <strong>Art. 34 Politische Rechte <\/strong>und weiteren Passagen: <em>\u201c[\u2026] Die Garantie der politischen Rechte sch\u00fctzt die <\/em><strong><em>freie Willensbildung <\/em><\/strong><em>[\u2026]\u201d<\/em> Hier ist explizit das Wort Wille einbezogen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wenn von Willensbildung gesprochen wird, k\u00f6nnte hier verstanden sein, dass ein freier Wille die Grundvoraussetzung dazu darstellt? Ich streite nicht ab, einen Willen k\u00f6nnen wir bilden, aber ist der \u00fcberhaupt auch frei, oder ist alles eine Illusion und es existiert \u00fcberhaupt kein freier Wille?&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In der Philosophie des Geistes, in der Position des <strong>Libertarismus,<\/strong> auch <strong>Libertarianismus <\/strong>genannt, wird der freie Wille<strong> <\/strong>bejaht. Die Annahme wird getroffen, dass wir Handlungsalternativen bei gegebenen Umst\u00e4nden haben und dass wir letztlich selbst verantwortlich f\u00fcr unsere Entscheidungen sind.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Gegen einen freien Willen spricht der sogenannte <strong>Determinismus <\/strong>mit einer Definition, dass alle auch zuk\u00fcnftigen Ereignisse durch ihre <strong>kausalen Vorbedingungen<\/strong> (Ursache und Wirkung) eindeutig festgelegt sind. Die Naturphilosophie postuliert Determinismus, gest\u00fctzt durch zwei Annahmen: S\u00e4mtliche nat\u00fcrlichen Prozesse sind durch Naturgesetze bestimmt und die Bewegungsgleichungen, also bei mathematischer Gleichung, beim Einsetzen von exakten Werten, ergeben eine eindeutige L\u00f6sung, und somit wird das Ergebnis schon festgelegt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Gegensatz zum Determinismus steht der <strong>Indeterminismus<\/strong>, der die Auffassung vertritt, dass nicht alle Ereignisse durch Vorbedingungen eindeutig festgelegt sind. Es gibt bestimmte Ereignisse, die nicht oder nicht eindeutig durch Ursachen bestimmt, sondern indeterminiert (unbestimmt) sind. Hier kommen die Begriffe <strong>Schicksal und Zufall <\/strong>ins Spiel \u2013 ein Ablauf von Ereignissen im Leben eines Individuums, die von h\u00f6heren M\u00e4chten (Gott) vorherbestimmt oder von Zuf\u00e4llen bewirkt werden, wo also kein freier Wille vorhanden ist.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Dabei kann unterschieden werden zwischen dem <strong>Schicksal im Sinne <\/strong>von: Alles wird durch ein \u201cg\u00f6ttliches Prinzip\u201d bestimmt oder alles l\u00e4uft im Kontext der Naturgesetze deterministisch ab. Nach dieser Auffassung kann es in einem Universum ohne Zufall keinen freien Willen geben oder einem Schicksal, wenn das Fatums meint, dass wenn der Kausalzusammenhang \u00e4u\u00dfere Handlungsumst\u00e4nde f\u00fcr den Menschen so bestimmt, wie dieser mit der impuls- und handlungsbestimmenden Zustimmung zu seinen Vorstellungen agiert. Zu keinem Zeitpunkt werden menschliche Entscheidungen reduziert auf kausale Faktoren, die au\u00dferhalb des Handelnden liegen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Das Ph\u00e4nomen des<strong> Zufalls<\/strong> wird dem Indeterminismus zugeschrieben. Der \u201c<strong>nicht strenge Zufall<\/strong>\u201d beruht auf einem Erkenntnisproblem, auf einem Messwertproblem. Zu einem Zeitpunkt X nicht alle Daten vorhanden sind, dessen hoher Komplexit\u00e4t des Systems wir das eingetretene Ereignis und seine Ursachen exakt erkl\u00e4ren, vorhersagen k\u00f6nnen. In den wissenschaftstheoretischen Auffassungen wird mit dem Prinzip des <strong>Laplaceschen D\u00e4mons<\/strong> beschrieben, wie es, im Sinne der Vorstellung eines geschlossenen mathematischen Weltgleichungssystems, unter diesem m\u00f6glich ist, mit der Kenntnis s\u00e4mtlicher Naturgesetze und aller Faktoren der Initialbedingungen wie Lage, Position und Geschwindigkeit, alle im Kosmos vorhandenen physikalischen Teilchen aller vergangenen und jedes kommenden Zustands zu berechnen und zu determinieren. Nach dieser Aussage w\u00e4re es theoretisch m\u00f6glich, beispielsweise die Lottozahlen voraussagen zu k\u00f6nnen. Dies w\u00e4re eine sch\u00f6ne Sache, wenn dies m\u00f6glich w\u00e4re, oder?&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Gibt es aber auch einen Vorgang, der ohne ein Zuvor auskommt? Also einen Vorgang, der in keiner Weise mit dem Zuvor in Verbindung gebracht werden kann und v\u00f6llig ursachenfrei ist? Hier ist der <strong>\u2018strenge Zufall\u2019 <\/strong>gemeint. In der Philosophie im Bereich der Metaphysik hat sich einer der Protagonisten, Leibnitz, ein Rationalist, mit metapsychischen Grundhypothesen auseinandergesetzt. Er stellte fest, dass es den <strong>Satz vom zureichenden Grunde gibt<\/strong>: <em>\u201cEs gibt nichts das ohne zureichenden Grund stattfindet.\u201d<\/em> Es gibt immer ein Zuvor. Aber wie ist es mit dem Beginn des Kosmos, dem Urknall, zu dem Zeitpunkt, wo wir Raum und Zeit entstehen lassen? Nach diesem Zeitpunkt beginnt die Kausalit\u00e4t von Ursache und Wirkung. Dies steht im Zentrum von europ\u00e4ischen oder abendl\u00e4ndischen Geisteswissenschaften. Strenger Zufall meint also, wenn f\u00fcr Ereignisse \u00fcberhaupt keine kausale Erkl\u00e4rung gefunden werden kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Jahre 1926 wird die Physik vom Blitz getroffen. Mit Werner Heisenbergs Unbestimmtheitsrelation wird die Unbestimmtheit in die Quantenmechanik eingef\u00fchrt. Ort und Impuls k\u00f6nnen nicht gleichzeitig gemessen werden: <strong>Impuls = Masse X Geschwindigkei<\/strong>t. Es bleibt also immer eine Unbestimmtheit in der Gr\u00f6\u00dfe des planckschen Wirkungsquantums. Die Unbestimmtheitsrelation ist keine Aussage \u00fcber ein Messproblem, sondern eine grundlegende Aussage \u00fcber die Welt. Die Welt ist nicht beliebig genau bestimmt. Die klassische Theorie, dass sich ein Elektron in den sogenannten Bohrschen Bahnen um den Atomkern herumbewegt, ist \u00fcberholt und nicht der Fall. Vielmehr ist das Elektron im Rahmen einer Wahrscheinlichkeitswolke zu betrachten. Die Unbestimmtheitsrelation hat sich also als eine metaphysikalische Aussage erwiesen. Die Welt ist unbestimmt. Gesichertes Wissen ist: In der Welt der kleinsten Dinge ist der Zufall der Normalfall. In der Welt der gro\u00dfen Dinge gibt es eine Art von Zufall durch eine enge Vernetzung, in dieser die Welt so miteinander vernetzt ist, dass kleinste Ver\u00e4nderungen in der Vergangenheit riesige Auswirkungen auf die Zukunft haben k\u00f6nnen. Diese Komplexit\u00e4t erlaubt die Annahme, dass unser Handeln und der zugrunde liegende Wille wohl auch diesem Prinzip unterworfen sind und somit nicht frei sein k\u00f6nnen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Kompatibilismus, auch als \u201eweicher Determinismus\u201c bezeichnet, wird eine Theorie genannt, in der freier Wille mit Determinismus einhergeht.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Einige Vertreter des Kompatibilismus sehen im Determinismus eine notwendige Voraussetzung f\u00fcr die Existenz des freien Willens. Paradoxerweise ist es der Determinismus, der die Willensfreiheit unterst\u00fctzt, und nicht der Indeterminismus. Die Erkl\u00e4rung ist, dass freie Handlungen und Entscheidungen nur dann frei sind, wenn sie aus Gr\u00fcnden des Determinismus erfolgen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Haben sie Lust auf einen kleinen Diskurs? Wenn wir in der Bibel die Geschichte \u00fcber den S\u00fcndenfall im ersten Buch Mose (GENESIS), Kapitel, Vers 1. lesen, ziehe ich aus der \u00dcberlieferung dieser Geschichte folgende Schl\u00fcsse: Die ersten zwei Menschen Adam und Eva m\u00fcssten schon im Besitz eines Willens gewesen sein. Beim S\u00fcndenfall geht es um die Verf\u00fchrung durch die Schlange, von der Eva aufgefordert wird, vom Baum der Erkenntnis zu essen. <em>\u201cDa sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott wei\u00df: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und b\u00f6se ist.\u201c&nbsp;<\/em>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/ruchti-tec.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/image-3.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ruchti-tec.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/image-3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1252\" width=\"248\" height=\"358\" srcset=\"https:\/\/ruchti-tec.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/image-3.png 588w, https:\/\/ruchti-tec.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/image-3-208x300.png 208w, https:\/\/ruchti-tec.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/image-3-42x60.png 42w\" sizes=\"(max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In j\u00fcdischen oder christlichen Kulturkreisen ist das Wissen \u00fcber den weiteren Verlauf weit verbreitet. Die Frau ass die und gab diese auch ihrem Mann und auch dieser hat diese verkostet. \u201cDa wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenbl\u00e4tter zusammen und machten sich Schurze.\u201d Meines Erachtens l\u00e4sst sich dadurch mit der neu gewonnen Erkenntnis eine Selbstwahrnehmung des Menschen beschreiben: Bewusstsein \u00fcber ihre Nacktheit der Schamgef\u00fchle und die K\u00fcndigung der Aufenthaltsbewilligung f\u00fcr den Menschen im Garten Eden Strafe von Gott. Seltsam ist, dass ein Wille schon da gewesen sein musste. Wer hat bei Eva diesen Willen injiziert, sodass sie diese Frucht pfl\u00fcckte uns a\u00df? War es deterministisch? Schicksal oder Zufall? Ich nehme an dieser Stelle an, der Sch\u00f6pfer m\u00fcsste einen freien Willen haben, wenn er als allm\u00e4chtig erkl\u00e4rt wird. In der Kritik bestimmter religionsphilosophischer und theologischer Freiheitsinterpretationen wird h\u00e4ufig die Annahme angef\u00fchrt, dass die menschliche Freiheit bestehen k\u00f6nne. Denn wenn Gott alle Fakten kennt, also allwissend ist, wei\u00df er auch, welche Entscheidung ein Mensch zu einem bestimmten Zeitpunkt treffen wird. Es best\u00fcnden also aufgrund dieser g\u00f6ttlichen Erkenntnisse keine alternativen Handlungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Menschen \u2013 eine Endlosschleife auf der Suche nach Wahrheit f\u00fcr diese schwer plausiblen Erkl\u00e4rungen. K\u00f6nnen diese weder verifiziert noch falsifiziert werden?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Das gegenw\u00e4rtige Erkl\u00e4rungsmodell der <strong>Hirnforschung <\/strong>\u00fcber die Steuerung der Willk\u00fcrmotorik (Willk\u00fcr wird in der Medizin als die bewusste Kontrolle von K\u00f6rperfunktionen \u00fcber das somatische Nervensystem verstanden). Grundlegende Antriebe f\u00fcr das Verhalten des Menschen haben einen subkortikalen Ursprung und entstehen im limbischen Bewertungs- und Ged\u00e4chtnissystem. Das limbische System ist die Funktionseinheit des Gehirns, in dem die Verarbeitung von Emotionen und das Triebverhalten entstehen. Das limbische Bewertungs- und Ged\u00e4chtnissystem aktiviert die Basalganglien \u2013 den subcortikalen basalen Kern, der f\u00fcr wichtige funktionelle Aspekte motorischer, kognitiver und limbischer Regelungen von gro\u00dfer Bedeutung ist. Zum Beispiel ist hier zu nennen: <strong>Willenskraft<\/strong>, Spontaneit\u00e4t, Affekt, Initiative, Antrieb, schrittweises Planen, vorwegnehmendes Denken, Erwartungen und motorische Selektion. Es wird aber auch das Kleinhirn aktiviert, das eine wichtige Aufgabe bei der Steuerung der Motorik innehat. Dieses ist verantwortlich f\u00fcr die unbewusste Planung, Koordination, Feinabstimmung und das Erlernen von Bewegungsabl\u00e4ufen. Im Weiteren wird dem Kleinhirn eine wichtige Rolle in der kognitiven Evolution zugesprochen. Das Kleinhirn setzt die kortikalen Prozesse in Gang. Erst dann setzt die Empfindung ein, <strong>etwas zu wollen<\/strong>. Der Cortex l\u00e4sst sich grob in f\u00fcnf bis sechs Lappen einteilen. Beispielsweise gibt es den pr\u00e4frontalen Cortex, der mit Handlungsplanung und -initiierung in Verbindung gebracht wird. Betreffend der <strong>Willk\u00fcrhandlungen <\/strong>tritt also neuronale Aktivit\u00e4t zuerst in den Basalganglien und im Kleinhirn und erst danach in der Gro\u00dfhirnrinde auf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Gem\u00e4\u00df der <strong>Biologie <\/strong>wird der Wille eines Menschen auch durch Erbanlagen und Umwelteinfl\u00fcsse bestimmt. Eine kontrovers gef\u00fchrte Debatte der Biologie ist die Frage, ob das Verhalten des Menschen eher aufgrund seiner Phylogenese oder eher aufgrund seiner pers\u00f6nlichen ontogenetischen Pr\u00e4gung bestimmt ist. Die Frage ist also: Wie stark ist der freie Wille durch die Humangenetik und auf den biologischen Grundlagen im Gegensatz zur Pr\u00e4gung durch Kultur und Umgebung festgelegt? Zahlreiche genetische Studien haben spezifische genetische Faktoren identifiziert, die eine Wirkung auf die Pers\u00f6nlichkeit und <strong>die Freiheit<\/strong> eines Individuums haben.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In der <strong>Psychologie <\/strong>wurde eine Reihe von Experimenten durchgef\u00fchrt. Der Psychologe Daniel Wegner betrieb Forschung, in der Individuen eine Illusion der Kontrolle erleben und in ihrer Empfindung das Gef\u00fchl haben, dass ihr Wille ein bestimmtes Ereignis ausl\u00f6st, das in Wahrheit von jemand anderem bestimmt wird. Bei Wegner wird der freie Wille definiert als eine Funktion der Priorit\u00e4ten. Der Gedanke muss vor der Handlung kommen. Die Konsistenz der Gedanken muss mit der Handlung \u00fcbereinstimmen sowie kann die Exklusivit\u00e4t der Gedanken nicht mit anderen Ursachen in Verbindung gebracht werden. Wegner hat aber nicht dagegengehalten, dass bewusstes Denken durch Handeln herbeigef\u00fchrt werden kann. In der Psychologie wird seit den 1950er Jahren nicht nur die Willensfreiheit, sondern auch die Funktion des Glaubens an eine solche empirisch untersucht. Viele Ergebnisse aus Studien zum Glauben an einen freien Willen konnten nicht repliziert werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In der Debatte \u00fcber das Konzept der menschlichen Willensfreiheit k\u00f6nnen wir hier das 1979 durchgef\u00fchrte, viel diskutierte Experiment, das Libet-Experiment, des Physiologen Benjamin Libet nennen. In diesem Experiment wurde die Gehirnaktivit\u00e4t, die dazu f\u00fchrte, dass eine Person ihren Finger bewegte und dies zeitlich gekoppelt wurde, gemessen. Das Ergebnis des Experiments hat aufgezeigt, dass im Moto(r)cortex, dem motorischen Zentrum des Gehirns, Vorbereitungen getroffen werden, sodass die Bewegung des Fingers des Menschen bereits begonnen hat, bevor der Proband sich bewusst war, dass man sich f\u00fcr die Ausf\u00fchrung dieser Bewegung entschieden hatte. Der zeitlich gemessene GAP betrug im Schnitt ca. 0.35\u202fSekunden; die Bewegung erfolgte ca. 0.2 Sekunden sp\u00e4ter.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Schon 1964 wurde die vorausgehende und unbewusste Gehirnaktivit\u00e4t von William Grey Walter und 1965 von Hans Helmut Kornhuber und L\u00fcder Deecke beschrieben und als das sogenannte Bereitschaftspotential bezeichnet. Die Schlussfolgerung von Libet war, dass die Behauptung, dass der Mensch keinen freien Willen hat, falsch sein muss. Seine Argumentation lag der Erkenntnis zugrunde, dass zwischen Bereitschaftspotential und bewusst empfundener Handlungsentscheidung ein \u201eVeto\u201c m\u00f6glich ist. Dieses Veto wurde 2016 in einer Studie mittels eines Brain-Computer-Interface genauer untersucht und es stellte sich heraus, dass die bis etwa 200 Millisekunden vor der eigentlichen Durchf\u00fchrung beabsichtigten willk\u00fcrlichen und motorischen Handlungen unterbunden werden k\u00f6nnen. Weitere Experimente und ihre Ergebnisse folgten von Haggard und Eimer aus dem Jahr 1999 und best\u00e4tigten Libets Daten, wonach das Bereitschaftspotential der bewusst empfundenen Entscheidung vorausgeht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bez\u00fcglich der M\u00f6glichkeit von Libet, ein &#8222;Veto&#8220; einzulegen, deutet das Experiment von 2009 zur Bewusstheit willentlicher Entscheidungen von K\u00fchn und Brass darauf hin, dass auch Veto-Entscheidungen unbewusst getroffen werden und erst nachtr\u00e4glich als freie Entscheidungen empfunden werden. Das Interessante ist, dass wir das Gef\u00fchl haben: Ich entscheide mich jetzt, aber irgendetwas im Gehirn ist schon unbewusst davor passiert. Der genaue Zusammenhang zwischen den unbewussten Hirnprozessen und der Sekunden sp\u00e4ter bewusst getroffenen Entscheidung ist jedoch noch unklar.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Der neuste Stand ist, dass die experimentellen Forschungsergebnisse auf dem Gebiet des neuronalen Korrelats des Bewusstseins u. a. von Haynes aber darauf hinweisen, dass solche Gehirnaktivit\u00e4ten \u2013 nachdem sie unwillk\u00fcrlich gestartet wurden \u2013 willentlich gestoppt werden k\u00f6nnen. Der Mensch sei den fr\u00fchen Hirnwellen nicht unkontrollierbar unterworfen, sondern ist dazu in der Lage, aktiv in den Ablauf der Entscheidung einzugreifen zu k\u00f6nnen und, wenn gewollt, eine Bewegung abbrechen zu k\u00f6nnen. Dies w\u00fcrde bedeuten, dass die Freiheit menschlicher Willensentscheidungen wesentlich weniger eingeschr\u00e4nkt ist, als wir bisher gedacht haben. Es gibt aber einen Punkt, den <strong>\u201apoint of no return\u2019<\/strong>, im zeitlichen Ablauf von Entscheidungsprozessen, ab dem eine Umkehr nicht mehr m\u00f6glich ist.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Fazit<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Festzuhalten ist, dass, wenn wir einen freien Willen besitzen, w\u00fcrde daf\u00fcrsprechen, im Sinne der moralischen Verantwortlichkeit, dass unsere Gesellschaftsordnung auseinanderbrechen w\u00fcrde, wenn niemand mehr f\u00fcr seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden kann. Der juristische Grundsatz \u201eKeine Strafe ohne Schuld\u201c w\u00e4re nicht mehr anwendbar. Dies gilt selbstverst\u00e4ndlich leider auch, oder besser zum Gl\u00fcck, f\u00fcr den Projektleiter.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Es k\u00f6nnte die Meinung vertreten werden, die einem Individuum auch im Determinismus moralische Verantwortung zuschreibt, dass es im Grunde genommen dabei immer um die Frage der Urheberschaft geht. W\u00e4re es nicht ein Widerspruch, wenn abgestritten wird, dass der Urheber einer Handlung, seine Neuronen und die in seinem K\u00f6rper ablaufenden physischen Prozesse eines Menschen nicht Teile dessen sind und er daf\u00fcr keine Verantwortung zu tragen hat?&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich finde keine befriedigende, abschlie\u00dfende Antwort, ob der Mensch einen freien Willen hat oder eben nicht. Dieses komplexe Thema ist noch unbeantwortet. Um die Wahrheit genau zu kennen, ist wohl noch \u201e20 Jahre Forschung zum Thema Gehirnmechanismen des freien Willens\u201c erforderlich.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mein Fazit ist: Der Mensch hat bedingt einen freien Willen mit einem bewussten und unbewussten Anteil. Die Klarheit \u00fcber den freien Willensentscheid wird aber wohl immer im Dunkeln bleiben, da wir mit unseren begrenzten empirischen Wahrnehmungsm\u00f6glichkeiten dem Mysterium des Bewusstseins wohl nie ganz auf die Schliche kommen werden und demzufolge wohl nur Annahmen getroffen werden k\u00f6nnen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em><strong>\u201eIch wei\u00df ehrlich nicht, was die Leute meinen, wenn sie von der Freiheit des menschlichen Willens sprechen. Ich habe zum Beispiel das Gef\u00fchl, dass ich irgend etwas will; aber was das mit Freiheit zu tun hat, kann ich \u00fcberhaupt nicht verstehen. Ich sp\u00fcre, dass ich meine Pfeife anz\u00fcnden will und tue das auch; aber wie kann ich das mit der Idee der Freiheit verbinden? Was liegt hinter dem Willensakt, dass ich meine Pfeife anz\u00fcnden will? Ein anderer Willensakt? Schopenhauer hat einmal gesagt: \u201aDer Mensch kann tun was er will; er kann aber nicht wollen was er will.\u2018\u201c<\/strong><\/em>\u2013 Albert Einstein&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Philosophie des Geistes&nbsp; Projektleiter m\u00fcssen Entscheidungen treffen. Hast du dir als Projektleiter schon einmal die Frage gestellt, inwieweit es gerechtfertigt ist, dass du verantwortlich gemacht werden kannst f\u00fcr deine getroffenen Entscheidungen? Fakt ist, dass es relativ irrelevant ist, ob die Entscheidung aus einem Gruppenkonsens resultiert oder eine Einzelentscheidung im Alleingang gewesen ist. Letztlich wird der Projektleiter zur Verantwortung gezogen und muss die daraus resultierenden Konsequenzen tragen.&nbsp;&nbsp; Mit dem Willen sind der geistige Akt, der Impuls zur Festlegung und Verwirklichung bestimmter Ziele gibt, und das Umsetzen dieser pers\u00f6nlich oder gemeinschaftlich getroffenen Entscheidungen in ein bewusstes und absichtsvolles oder ein geplantes Handeln gemeint. Zur \u00dcberwindung von \u201eHindernissen\u201c auf dem Weg zur Zielerreichung wird Willenskraft (Volition) ben\u00f6tigt.&nbsp;&nbsp; Der freie Wille spielt f\u00fcr den einzelnen Menschen und das Agieren in der Gesellschaft eine bedeutende, zentrale Rolle mit weitreichenden Auswirkungen. Mittels der Willenskraft kann das Individuum sein Handeln aktiv steuern, wir wissen aber auch, dass wir st\u00e4ndig zahlreichen internen unbewussten und externen Einfl\u00fcssen unterliegen.&nbsp;&nbsp; Inwieweit unser Wille, unser Denken und die drauffolgenden Handlungen frei sind, ist umstritten.&nbsp; Der Wille und die darauffolgenden Handlungen haben immer Konsequenzen einerseits f\u00fcr das einzelne Individuum, anderseits aber auch f\u00fcr dessen Umgebung. Es ist wohl nicht abzustreiten und erkennbar, dass unsere Gesellschaft stark vom Grundgedanken gepr\u00e4gt wird, dass der Mensch einen freien Willen besitzt und somit die Meinungs- und Willensbildung sowie das politische Handeln auf dieser Annahme beruhen. Die ethischen Grundwerte sowie die Gewaltentrennung der Legislative, Exekutive und Judikative in unserer Demokratie gehen von einem freien Willen des Menschen aus.&nbsp;&nbsp; Im juristischen Sinne k\u00f6nnte man sich die Frage \u00fcber Schuld und Unschuld wie folgt stellen: Inwiefern kann ein Individuum f\u00fcr seine Straftaten verantwortlich gemacht werden (abgesehen davon, wenn es im rechtswissenschaftlichen Sinne unzurechnungsf\u00e4hig ist, also sein Denken und Handeln von einer psychischen Krankheit bestimmt wird)? Wenn beispielsweise ein \u2018T\u00e4ter\u2019 keine Optionen f\u00fcr sein Handeln und f\u00fcr seinen freien Willen besitzen w\u00fcrde und die eigentliche Tat schon eine starke deterministische Komponente hat, die Tat also eher aus der Vorbestimmung und aus einem Korrelat von Genen und der Summe von allen vergangenen Erfahrungen abgeleitet werden kann, dann w\u00e4re dieser T\u00e4ter im eigentlichen Sinne vor Recht und Gesetz ja in gewisser Weise unschuldig. Wir k\u00f6nnten uns an dieser Stelle die Frage stellen: Wenn wir keinen freien Willen besitzen, k\u00f6nnen wir daraus schlussfolgern, dass wir letztlich alle unzurechnungsf\u00e4hig sind? Wem oder was wollen wir dann aber, im moralischen Sinne als ein Versto\u00df gegen das Gewissen verstanden, eine Schuld zuschreiben, Rechenschaft zollen? \u2013 dem Universum, Gott, einer h\u00f6heren Macht? Was auch immer es ist, es ist eine direkte, an den Kern eines Problems gehende Frage, welche die Absichten und die Gesinnung aufdecken soll; es ist gem\u00e4\u00df Johann Wolfgang von Goethe aus der Trag\u00f6die Faust I eine Gretchenfrage. Hat der Mensch einen freien Willen oder ist alles nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung determiniert? Spielen da in das Gesamtgef\u00fcge nicht noch die Begriffe Schicksal und oder Zufall hinein? L\u00e4sst sich eine Antwort auf unsere Willensfrage an dieser Stelle finden, dort, wo sich Gegens\u00e4tze wie Determinismus und Indeterminismus im Kompatibilismus vereinen?&nbsp;&nbsp; \u201eIch lache eures freien Willens und auch eures unfreien: Wahn ist mir das, was ihr Willen hei\u00dft, es giebt keinen Willen.\u201c (Quelle: Friedrich Nietzsche: Nachlass, Sommer 1883, 13 [1\u201336], Zarathustras heilige Gel\u00e4chter)&nbsp; Vertreter aus dem Lager der extremen Linken argumentieren im Sinne der Diskussion \u00fcber das Thema des freien Willens, dass die Psychologie dem B\u00fcrger eine politische Entm\u00fcndigung zuschreibt. Von der Psychoanalyse Sigmund Freuds bis zur Verhaltenspsychologie Burrhus Frederic Skinners wird der Psychologie unterstellt, dass diese sich an nicht mehr zeitgem\u00e4\u00dfen politischen Verh\u00e4ltnissen festh\u00e4lt. Alles wird auf das Unterbewusste des Menschen verlagert, politische Faktoren werden ignoriert und somit wird dem Individuum der freie Wille abgesprochen. Dies inkludiert auch die F\u00e4higkeit, bewusst politisch handeln zu k\u00f6nnen.&nbsp;&nbsp; Schlie\u00dft das Adjektiv \u2018frei\u2019 in Artikel 1 der Menschenrechte der UNO \u201cAlle Menschen sind frei und gleich an W\u00fcrde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Br\u00fcderlichkeit begegnen.\u201d auch den freien Willen mit ein? Ist dies sinngem\u00e4\u00df so zu verstehen oder ist doch hier eher die Freiheit von Leibeigenschaft oder Knechtschaft gemeint? An dieser Stelle: Willhelm Tell sei gedankt! Freiheit findet sich auch in der Pr\u00e4ambel der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft.&nbsp;&nbsp; \u201c[\u2026] Im Namen Gottes des Allm\u00e4chtigen! Das Schweizervolk und die Kantone, in der Verantwortung gegen\u00fcber der Sch\u00f6pfung, im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabh\u00e4ngigkeit und Frieden in Solidarit\u00e4t und Offenheit gegen\u00fcber der Welt zu st\u00e4rken, im Willen, in gegenseitiger R\u00fccksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben, im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegen\u00fcber den k\u00fcnftigen Generationen, gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht [\u2026]\u201d&nbsp;&nbsp; Weiter findet sich im selben Gesetzestext in Art. 34 Politische Rechte und weiteren Passagen: \u201c[\u2026] Die Garantie der politischen Rechte sch\u00fctzt die freie Willensbildung [\u2026]\u201d Hier ist explizit das Wort Wille einbezogen.&nbsp;&nbsp; Wenn von Willensbildung gesprochen wird, k\u00f6nnte hier verstanden sein, dass ein freier Wille die Grundvoraussetzung dazu darstellt? Ich streite nicht ab, einen Willen k\u00f6nnen wir bilden, aber ist der \u00fcberhaupt auch frei, oder ist alles eine Illusion und es existiert \u00fcberhaupt kein freier Wille?&nbsp;&nbsp;&nbsp; In der Philosophie des Geistes, in der Position des Libertarismus, auch Libertarianismus genannt, wird der freie Wille bejaht. Die Annahme wird getroffen, dass wir Handlungsalternativen bei gegebenen Umst\u00e4nden haben und dass wir letztlich selbst verantwortlich f\u00fcr unsere Entscheidungen sind.&nbsp;&nbsp; Gegen einen freien Willen spricht der sogenannte Determinismus mit einer Definition, dass alle auch zuk\u00fcnftigen Ereignisse durch ihre kausalen Vorbedingungen (Ursache und Wirkung) eindeutig festgelegt sind. Die Naturphilosophie postuliert Determinismus, gest\u00fctzt durch zwei Annahmen: S\u00e4mtliche nat\u00fcrlichen Prozesse sind durch Naturgesetze bestimmt und die Bewegungsgleichungen, also bei mathematischer Gleichung, beim Einsetzen von exakten Werten, ergeben eine eindeutige L\u00f6sung, und somit wird das Ergebnis schon festgelegt.&nbsp;&nbsp; Im Gegensatz zum Determinismus steht der Indeterminismus, der die Auffassung vertritt, dass nicht alle Ereignisse durch Vorbedingungen eindeutig festgelegt sind. Es gibt bestimmte Ereignisse, die nicht oder nicht eindeutig durch Ursachen bestimmt, sondern indeterminiert (unbestimmt) sind. Hier kommen die Begriffe Schicksal und Zufall ins Spiel&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1133,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1232","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ruchti-tec.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1232","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ruchti-tec.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ruchti-tec.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ruchti-tec.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ruchti-tec.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1232"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/ruchti-tec.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1232\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3215,"href":"https:\/\/ruchti-tec.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1232\/revisions\/3215"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ruchti-tec.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1133"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ruchti-tec.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1232"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ruchti-tec.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1232"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ruchti-tec.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1232"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}